Betrug am Kunden? – Air Berlin Flugausfallentschädigung

Anzeigetafel Flug storniert © JiSign

Es erscheint als eine beispiellose Raffgier von Air Berlin. Das jahreslange Missmanagement der Fluggesellschaft wird offensichtlich zum Schaden und auf dem Rücken der eigenen Kunden durch interne und kundenseitige Desinformation zu refinanziert.

Das Bauernopfer „Kundenservice vs. dem eigenen Ruf des Unternehmens“ scheint nach der Reportage des WDR teuer zu werden und hoffentlich weitreichende Konsequenzen zu haben. Das Mindeste wären personelle Konsquenzen. Doch auch der Gesetzgeber ist gefragt. Geltendes Recht und der Schutz der Verbaucher wird offensichtlich systematisch ausgehöhlt und zeigt die Lücken eines zahnlosen Tigers.

Eine Form von Beschiss, titelt focus.de. Ich würde als Verbraucher nicht gleich von Betrug sprechen, auch wenn man die Vorgehensweise aus Verbrauchersicht gleichwohl dafür halten könnte. In jedem Fall tritt Air Berlin und deren Handlanger die Rechte der Verbraucher mit Füssen – im übertragenen Sinne.

Fresszettel statt Fluggastrechte

Im Unterschied zu den gestrandeten Urlaubern in der Reportage des WDR erhielt ich keinerlei Aufklärung zu meinen Fluggastrechten am Check-In Schalter. Lediglich ein Stempel mit den Kontaktdaten des Kundenservice wurde auf meinen Flugschein aufgebracht. Weder ein Angebot für eine Übernachtung noch eine Verpflegung wurden mit angeboten – obwohl diese jedem Kunden in dieser Situation zustehen.

Refinanzierung mit System

Wer als Geschädigter ebenfalls von der fraglichem Masche von Air Berlin betroffen ist sollte sich in jedem Fall die Reportage des WDR anschauen. Die Entschädigung eines einzigen Flugausfalls kann die Fluggesellschaft teuer zu stehen kommen. Fast bis zu 100.000,- Euro wären bei einer normalen Flugstrecke je nach Größe des Flugzeugs an die Kunden als Fluggastentschädigung zu entrichten. Doch nur ein Bruchteil der Fluggäste kennt ihre Rechte gut genug und ist gewillt diese auch mit langem Atem einzufordern.

Für den Rest bedankt sich dann wohl insgeheim Air Berlin – lacht sich ins Fäustchen, allen voran vielleicht sogar Geschäftsführer Wolfgang Prock-Schauer, um das marode Unternehmen mit dem Geld der Kunden wieder auf Kurs zu bringen.

Längst haben sich Agenturen darauf „spezialisiert“ der Ungerechtigkeit entgegen zu treten und bieten gegen eine prozentuale Beteiligung die Einforderung der Flugausfallentschädigung an. Ein lukratives Geschäft wie ich bereits berichtet hatte.

Auch das von Air Berlin beauftragte Call Center CCC besudelt sich in der Reportage nicht mit Ruhm und kommt in der Reportage sehr schlecht weg. Es unterstreicht sogar meine Kenntnisse zu entsprechenden unlauteren Praktiken wie Sie in der Callcenter-Branche üblich zu sein scheinen.

Mir sind bereits andere Fälle aus dem Telekommunikationsbereich bekannt – welche noch nicht öffentlich sind – die die Callcenter-Branche in der Zukunft noch weitreichender erschüttern könnten als der Fall Air Berlin. Mich würde es nicht wundern wenn hier ebenfalls der Call Center Gigant CCC eine Rolle spielen würde. Mit ca. 5.000 Mitarbeitern als Subunternehmer für zahlreiche bekannte Unternehmen könnte die aktuelle Berichterstattung zu den fraglichen Praktiken als Handlanger von Air Berlin vielleicht nicht das einzige Erfolgskonzept sein.

So drängt sich für mich mittlerweile der Eindruck auf, dass etablierte Unternehmen und externe Callcenter heutzutage nicht nur eine normale Geschäftsbeziehung führen, sondern auch „unter der Bettdecke“ weitreichende gemeinsame Interessen verfolgen.

Die Macht des Internet – ich habe mein Geld!

So war ich über die Berichterstattung der Undercover-Reportage nicht erstaunt aber froh, dass ich persönlich wohl einer der Wenigen bin, der die Flugausfallentschädigung aus eigener Kraft und ohne Anwalt dem schwarzen Schaf der Flugbranche abtrotzen konnte.

Wie bereits berichtet, habe auch ich zuerst den „normalen Weg“ der Beschwerde über den „Kundenservice“ eingeschlagen. Doch bereits nach kurzer Zeit wurde ich der standardisierten Textbausteine der Antwortemails und der durchaus gekonnten rhetorischen Raffinesse des „Kundenservice“ überdrüssig.

Air Berlin Flugausfallentschädigung – So kommen Sie zu Ihrem Geld

Air Berlin ist nicht das Erste und wird sicher nicht das letzte Beispiel bleiben, welches uns Verbrauchern vor Augen führt, wie wir an der Nase herumgeführt werden.

Es liegt an uns Verbrauchern selbst unsere Rechte zu kennen und diese einzufordern. Doch nicht immer ist der bekannte und reguläre Weg der Beste. Es gilt auch neue Wege zu finden.

Das Teilen der eigenen Erfahrung im Internet ist eine Möglichkeit, welche zumindest in meinem aktuellen Fall geholfen hat die Entschädigung in relativ kurzer Zeit nach meinem ersten Blogbeitrag zu Air Berlin zu erhalten.

Darüber hatte ich den Kundenservice von Air Berlin in Kenntnis gesetzt und meine Position und die Kenntnis der Fluggastrechte unmissverständlich klar gemacht.

Der Weg in die Öffentlichkeit war also entscheidend, um Air Berlin zur Auszahlung der Fluggastentschädigung zu zwingen.

So bleibt nur für die Zukunft das kleinere Übel zu wählen. Eine Bahnfahrt nach Berlin soll ja auch ganz angenehm sein.