Libyen 2001

Libyen 2001

Im März 2001 unternahm ich zusammen mit meinem Bruder Oliver und zwei seiner Freunde eine abenteuerliche Reise durch Libyen. Mit einem 25 Jahre alten Landrover Defender (max. 80 km/h), einer Kawasaki und einer Honda Transalp starteten wir von Bühlertal ab Richtung Süden. Durch die moderate Höchstgeschwindigkeit von Olis Defender konnten wir Motorradfahrer uns gemütlich an die Stoßstange hängen und somit jede Menge Benzin sparen. 🙂

Visa & Co.:
Antragsformulare und Visum (ca. 25,- EUR) wurden bei der Botschaft Libyens, Beethovenallee 12a, 53173 Bonn, Tel. 0228/ 820090, Fax 364260 angefordert. Die Gültigkeit des Reisepasses sollte mindestens noch 6 Monate vorher beantragt werden. (wenn’s schnell gehen muss reicht auch ein vorläufiger Reisepass. Diesen erhält man ca. 2 Wochen ab Antragsstellung).

Weiterhin benötigten wir einen Übersetzungsstempel bei der Passstelle (ca. 5,- EUR). Die Übersetzung der Daten wurden von einem beglaubigten Dolmetscher (ca. 10,- EUR, Adressen von der Botschaft) durchgeführt. Die Einfuhr von Alkohol und libyscher Landeswährung (!) ist streng verboten. Alkohol stand damals sogar angeblich unter Todesstrafe. Die Abwicklung an der Grenze war recht langwierig aber nicht besonders schwierig. Die Versicherung und libysche Kfz-Kennzeichen kosten ca. 270 US-$. Die Preise für Dolmetscher etc. sind unterschiedlicher. Am besten wendet man sich an eine erfahrene Agentur, wie z.B. „Saro – Expedition“, die uns dann auch an der Grenze zu Libyen abholt hatte.

Medizinische Infos:
Impfung gegen Tetanus, Typhus, Polio, Diphtherie, Hepatitis A + B werden empfohlen. Bei Hepatitis – Impfungen muss ca. 2 – 3 Monate vorher mit den Impfungen begonnen werden!

Auslandskrankenversicherung abschließen! Zusammen mit der ADAC – Plus Mitgliedschaft ist man gut versichert. Dann kann man auch Ersatzteile ohne Zusatzkosten innerhalb weniger Tage nach Libyen schicken lassen und das haben wir wirklich in Anspruch nehmen müssen!!!

Falls man wirklich richtig krank werden solltet oder ein Notfall eintritt kann man in Tripolis Dr.Ali anrufen:

– Dr. Ali B. Ali Tumi, Central Hospital, Tripolis, Tel. 391614 –
Verpflegung:
Versorgung mit Obst, Gemüse, Brot und Fleisch gibt es in Ghadames, Ghat und Germa. Dort auch Verkauf von abgefülltem Mineralwasser, meist in bereits gebrauchten Flaschen. Wir haben originalverschlossene Flaschen gekauft (relativ teuer, meistens wird der Preis an Hand des eigenen Auftretens festgelegt). An offenen Flaschen wird man zwar vermutlich nicht krank (zumindest die Libyer nicht), aber unserer europäischen Hygiene zuliebe, haben wir dann doch etwas mehr gezahlt und meist die verschlossenen Flaschen gekauft. Bei den Preisen für die Verpflegung sollte man grundsätzlich aufpassen und auf jeden Fall handeln. Es gibt in Libyen „einheimische“ und „Touristenpreise“. Den Unterschied der Preise merkt man besonders, wenn man von der tunesischen Grenze ins Land fährt, es wird immer billiger. Trotzdem versucht der ein oder andere Händler etwas mehr Geld zu bekommen. Man sollte sich vorher bei anderen Einheimischen informieren oder versuchen den Preis zu verhandeln. Nach einiger Zeit bekommt man allerdings ein gutes Gefühl für die Preise. Brot ist sehr günstig. Wir haben manchmal mit einem libyschen Dinar ganze 12 Baguette bekommen!!!Sprache:
Wer vorher etwas arabisch lernt, wird sich sehr viel leichter mit den Menschen verständigen können. Auf der Homepage der Scorpiontrophy findet ihr eine Liste mit einfachen aber wichtigen ausdrücken. Teilweise könnt ihr sie auch als WAV – Datei downloaden und anhören.

– Ab und zu ist das Tagebuch etwas sprunghaft. –

Tagebuch – das Tagebuch wurde von meinem Bruder Oliver Emmler mit Hilfe eines Palm IIIx erstellt. Mit der Palm-Tastatur (in Deutschland damals noch nicht erhältlich) war das Schreiben sehr viel angenehmer.

Tagebuch 31.03.2001 Zeit: 23:00 Uhr
Ort: Fähre Cartage Richtung Tunesien

Nach einer fast verlustfreien Fahrt von Bühlertal nach Genua sind wir um einige Erfahrungen reicher. Im Konvoi sollte immer das schwächste Fahrzeug voranfahren und die Nachfolgenden im Rückspiegel beobachten. Bei Verlust eines Konvoi Mitglieds wartet das vordere Fahrzeug eine vorher definierte Zeit (bspw. 1 Stunde) und macht sich dann in einer Schleife auf die Suche nach den Verlorenen. Für den absoluten Notfall sollte eine zentrale Anlaufstelle (Telefon zu Hause) oder ein Handy verfügbar sein. Das nächste Etappenziel sollte allen Fahrern immer ganz genau bekant sein um ggf. allein dorthin zu kommen. Grund für diese Überlegung war, dass Patrick und Martin teilweise hinter und teilweise weit vor dem Landi fuhren, da der Landi-Oldtimer eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h hat. Durch mehrfaches Anhalten und Vorbeifahren der anderen wussten wir teilweise nicht mehr wer vor oder hinter einem war. Dadurch verloren wir Patrick und konnten mit Hilfe unserer „Mama“ – Zentrale in Deutschland die GPS – Koordinaten abgleichen. Letztendlich trafen wir uns genau zur gleichen Zeit am Grenzübergang Schweiz – Italien. Nach einer kurzen Besprechung der Vorkommnisse und einem Kaffee entschlossen wir uns gegen 23 Uhr nach Genua weiterzufahren.
Nach einer kurzen Nacht auf einem Parkplatz / Containerhafen (N 44° 24′ 26,0“ / E 08° 54′ 27,6“) heißt es am Morgen „Habib“ ade es Lebe die „Cartage“.

Die Fähre „Cartage“ (N 36° 48′ 45,4“ / E 10° 18′ 13,9“) hat endlich die alte Habib abgelöst und bietet wesentlich mehr Komfort. Es gibt zwar immer noch keine Wechselstube aber auch keine Briefmarken für einen Dinar. Ob es die Briefmarken überhaupt gibt, werden wir sehen (war dem dann nicht so). Die Kabinen für einen Aufpreis von ca. 10,- EUR pro Person und Strecke sind ihr Geld wert. Leider ist das Essen nicht inbegriffen. Die Kantine zur Essenszeit ist ziemlich voll und es kann bis zu einer Stunde dauern, bis man an die Reihe kommt. Trotzdem schmeckt es besser wie in der Uni-Mensa in Heidelberg. Die Kabinen sind aber sauber, enthalten Bettwäsche und Handtücher und eine moderne Codeschließanlage.

01.04.2001 23:00 Uhr Ort: Campingplatz „Les Jasmins“

Nach einer sehr erholsamen Überfahrt dank der Kabine checken wir im Hafen von Tunis / Tunesien aus. Die 10,- EUR sollte man auf jeden Fall investieren! Das Essen ist zwar nicht inbegriffen, dafür jedoch Handtücher und Bettzeug. Die Fähre kam sehr früh an und die Reiseformalitäten bei Polizei und Zoll haben, man glaubt es kaum, nur zwei Stunden auf der Fähre gedauert. Man sollte sich früh genug anstellen.

Die Fahrer der Optik – Rallye sind kurz vor uns mit der Fähre aus Marseille angekommen und sammeln sich bereits auf dem großen Parkplatz am Hafen. Nach ca. 1 Stunde auf der Fähre können wir endlich wieder festen Boden unter den Füssen spüren. Der Checkout am Zoll im Hafen ist mit etwa 10 Minuten eigentlich nicht der Rede wert. Fahrzeuge von denen wir nur träumen können stehen auf dem Parkplatz vor dem Hafengebäude.

Anmerkung „Technik“: Vorhängeschlösser mit einem Zahlenschloss sind eine gute Idee, da keine Schlüssel verloren werden können. Sonst sollte man versuchen möglichst viele gleichschließende Schlüssel mitzunehmen.

Tagebuch 02.04.2001 Ort: Matmata, Hotel Mahatma Touring Club

Nach einer schönen Nacht im Hotel „Les Jasmins“ haben wir uns entschieden nicht nach Touzeur zu den Filmkulissen zu fahren, sondern uns stattdessen nur die Höhlenhotels in Matmata anzuschauen, da wir erfahren haben, dass die Organisation „Saro-Expedition“ die Libyenreisenden bereits einen Tag früher an der Grenze abholen wird. Auf unserem Fax stand also ein falsches Datum. Man sollte sich deshalb unbedingt kurz vorher in Tunesien nochmals in Deutschland nach dem genauen Datum erkundigen.

Leider hatte das Hotel Sidi Driss (Filmkulisse von Star Wars; Raumhafen Mos Eisley) keine Zimmer mehr frei. Wir trinken noch ein Bier an dem Tisch, an dem ehemals Szenen für Star Wars gedreht wurden. Ein Einheimischer empfiehlt uns das „Hotel Matmata“. Es bietet zwar den gleichen Preis, leider auch jede Menge Touri-Attraktionen und eine Folkloregruppe bis in die späte Nacht. Unser Zimmer befindet sich in einem Gewölbe, welches an einen Weinkeller erinnert, aber sehr viel uriger ist!

Auf der Fahrt von Nabeul über Hammamet, Sfax, Gabes, Matmata gab’s ein sehr üppiges Mittagessen und dem Schlachten eines Lammes konnten wir auch beiwohnen. Ein ausgiebiges Essen mit 1,5 Kilo Fleisch, 2 Portionen Pommes Frites, Paprika – Tomatensalat, Oliven, 1,5 Baguette, 4 Cola, 1 Liter Wasser, Zitronen und einem Tee zu Abschluss für 7 TD pro Person. Die Fahrt war sonst ohne besondere Vorkommnisse.
Technische Info: Benzin gibt es in Libyen nicht auf der Autobahn. Als Motorradfahrer sollte man sich vorzeitig nach ausreichenden Reserven umschauen, sofern man kein Begleitfahrzeug zur Verfügung hat.

03.04.2001 21:10 Ort: Strand zwischen Ras Djedir und Tripolis

Nach einer Nacht in Matmata mit etwas Fieber geht es heute gleich ungewollt auf die kürzeste Strecke zwischen Matmata und Medenine. Die Schotterpiste war gleich mal die Feuertaufe für Martin und Patrick. Patrick hat zum zweiten Mal die Kette seines Motorrads verloren und auch der Landi musste zeigen wie weit er belastbar ist. Am Grenzübergang werden wir feststellen dass sich der Dachträger gelockert und die Tür verzogen hat. Die Fahrt von Medenine nach Ras Djedir verläuft dann fast problemlos. Überall zwischen illegalen Tankstellen winken die Leute mit Geldscheinen und animieren zum schwarzen Geldumtausch. Am Grenzposten gibt es nur LD für 50,- EUR / Person.

An der Grenze finden wir uns in einer Gruppe von Motorradfahrern und schwer ausgerüsteten Trucks und Jeeps wieder. Alle warten auf den „Reiseveranstalter“ Saro – Expedition, mit denen wir bereits im Vorfeld der Reise die kompletten Formalitäten für den Grenzübertritt in Deutschland erledigt haben.

Nach 4 Stunden Wartezeit und mit neuen Nummernschildern geht es Richtung Osten. Zwischendurch am Wegesrand einen kleinen Snack mit Käse, Salami & Ei + Cola aus einer ehemaligen Fantaflasche für LD 1,50. Unser Wechselkurs liegt nach vielen Umrechnungen von USD nach TD nach FF bei ungefähr 0,75 LD für 1 DM. Der offizielle Kurs liegt bei 0,70 LD. Die Menschen sind sehr freundlich.

Tagebuch 03.04.2001 – (Fortsetzung)

Die Menschen, welchen wir bisher begegnet sind überaus freundlich und doch zurückhaltend. Niemand fragt nach Geschenken oder Geld. Beim Zigarettenkauf gibt es gleich mehrere verschiedene Marlboro (libysche, suez und amerikanische) ich entscheide mich für die billigste Marke, die amerikanische … komisch.
Anmerkung: Ein Handbesen zum säubern des Autos wäre nicht schlecht, da mittlerweile der Sand in alle Ecken kriecht.

04.04.2001

Nach einer schönen Nacht am Strand mit einem Sternenhimmel, der dem der Sahara sehr gleich kommt machen wir uns sehr spät auf den Weg nach Tripolis um weitere Informationen über die Beschaffung eines Kettensatzes für Patricks Transalp zu bekommen. Auf dem Weg einen kurzen Stop beim Theater von Sabrata. Es gibt hier Postkarten, das Stück für 0,750 LD (in Tripolis im Museum werden sie dann nur 0,100 LD/Stück kosten). Der Verkehr auf dem Weg nach Tripolis schlägt in Hektik und „Fahren nach Gefühl“ die Italiener und Franzosen um ein Vielfaches. Die Fahrtbeschreibung im Göttler ist hervorragend. Der GRÜNE PLATZ ist allerdings nicht mehr grün und die Jugendherberge in der Stadt ist wirklich nicht zu empfehlen.

Steht man vor der Jugendherberge und geht die Strasse rechts runter findet man gegenüber dem Spielplatz einen kleinen Pizzabäckerkiosk. Er wurde von uns „Little Pizza“ (N 32° 53′ 28,2“ / E 13° 10′ 48,4“) getauft, da die Pizzas wirklich sehr klein sind aber saugut schmecken. Die Jungs sind sehr hilfreich und ein Freund von Ihnen, Musa wird uns für die nächsten zwei Tage durch die Stadt führen. Er kümmert sich um alle Probleme die wir schon mit nach Libyen gebracht haben. So zeigt er uns die Internationalen Telefonbüros (Kosten ca. 1,5 LD / Minute nach Deutschland), Schischa (Wasserpfeife) rauchen (3 LD). In den Souks zeigt er uns die verborgensten Plätze um Fotos zu machen und uns mit Turban und Gewändern einzudecken. Man sollte für einen Turban mindestens 5 Meter Stoff kaufen (Kosten ca. 5 LD).

Ein Gewand mit Überwurf und Hose im landestypischen Outfit kostet mit Ihm statt 100 LD nur 40 LD! Briefmarken für unsere Postkarten finden wir in der Post (N 32° 53′ 28,8“ / E 13° 10′ 09,7“). Man benötigt 0,250 LD Briefmarken. Es sind aber nur 0,300 LD Briefmarken verfügbar. Die Dame hinter dem Schalter entschuldigt sich vielmals; für uns ist der Preis jedoch in Ordnung. Mit einem Kaffee hier und einem Pfefferminztee dort (0,500 LD) geht es durch die Stadt ins Museum am Grünen Platz (Eintritt 3 LD, Fotoerlaubnis 5 LD). Die Eintrittspreise scheinen für die Museen alle gleich zu sein. Ein internationaler Presseausweis ist unbekannt und erbringt keine Vergünstigungen in den Museen, ebenso nutzlos ist ein Internationaler Studentenausweis. Snacks und Sandwichs sind recht preiswert (1-2 LD) für ein üppiges Abendessen haben wir jedoch auch 16 LD / Person bezahlt. Dafür war es allerdings exzellent und so üppig, dass wir die Portionen nicht geschafft haben. Mit Musa zusammen hatten wir auch keine Probleme eine große Platte mit allen Vorspeisen und Hauptgerichten zu erhalten, somit konnten jeder einmal probieren.

Adresse:
Abu Ali Restaurant
Ben a Shour Near Al Shabab Club
Tripoli

Es ist selbstverständlich, dass wir unseren Führer zu allen Dingen einladen. Geld würde er nicht akzeptieren!

Die Montage der Kette inklusive abtrennen der alten geschlossenen O-Ring-Kette kosten 25 LD (N 32° 53′ 25,2“ / E 13° 10′ 06,9“). Später stellt der Mechaniker Christian auch sein Werkzeug zur Verfügung, um seine Kupplung zu reparieren, was leider nicht gelang.

Das Versenden von Email und die Nutzung des Internet hängt vom entsprechenden Telefonshop ab. Die meisten wählen sich über Modems ein. Eine Verbindung kommt hier ebenso selten zustande wie ein Telefongespräch. Eine Stunde sollte schon eingeplant werden. Nur wenige der Handvoll Internet-Cafes haben eine Direktverbindung zum Netz, hier ist das Surfen aber auch schnell und problemlos. Man sollte vermeiden in westliche Fastfood Läden zu gehen, die Preise sind meist überzogen und die Qualität nicht gut. Libyen bietet mit Schawerna, Humus und Falaffel genügend traditionelle Gaumenspeisen. Wir haben keine schlechten Erfahrungen mit ungenießbarer Nahrung gemacht. Das Wasser in unserem Hotel läst sich gut zum Zähneputzen verwenden. Als Trinkwasser bevorzuge ich allerdings „parfümiertes Jasminwasser“, welches es fast überall gibt.

Freitag, 06.04.01 22:00 Uhr Ort: Irgendwo am Beginn der Piste von Darj nach Idri

Nach weiteren zwei Tagen in Libyen und einer sehr ermüdenden Fahrt auf Beton von Tripolis nach Derj haben wir den Einstieg in die Piste nach Idri erreicht. Die Reifen konnten wir mit erheblichen Verlusten vom Reifenhändler (wenn man ihn so nennen kann) wechseln lassen. Martin hat starke Verluste mit zwei zerlöcherten Schläuchen erlitten. Der Landi ist wieder geschmiert, geölt und Wasser aufgefüllt. Auch die Schraube für den Keilriemen ist wieder fixiert. Der Dachträger leistet gute Dienste, leider muss die Tür immer wieder nachgezogen werden. Morgen wird sich herausstellen ob die Wegpunkte von Carlo etwas taugen. Die Piste lässt sich auf den ersten 10 Kilometern gut fahren. Vor dem Einstieg haben wir noch eine Portion Spaghetti mit Tomatensauce und Putenfleisch beim Cafe gegenüber der Tankstellen in Derj gegessen. Sehr gut und sehr preiswert (4 LD/Portion). Der Posten am Ortsausgang in Richtung der Piste wollte für ein Motorrad 3 LD und für den Jeep 10 LD. Hat sich aber dann mit dem Stempel aus Ghadames zufrieden gegeben. In Ghadames gibt es auch eine Post. Die Telefonverbindung kommt auch ohne langes Warten (10 Minuten zustande).

11.04.2001 14:00 Uhr Ort: Campingplatz African Tours bei Germa

Seit dem letzten Eintrag sind fünf Tage vergangen und es haben sich viele Ereignisse zugetragen. Die ersten zwei Drittel der A8 (Göttler) lassen sich gut und ohne Probleme mit dem Landi bei 80 km/h bewältigen. Die Strecke besteht zum überwiegenden Teil aus Steinpiste und einigen leichteren Wellblechpassagen. Die Nacht in der Piste war wunderbar und der Mond geht immer später auf. Morgen Nacht werden wir wahrscheinlich die schönste Nacht unter dem Saharahimmel haben.

Nachdem Martin wegen einem Motorschaden vermutlich nicht mehr das letzte Drittel der Piste mit seinem Motorrad fahren kann versuchen wir gemeinsam die Polizeistation in 100 km zu erreichen. Nach 2,5 Stunden Fahrt sind wir endlich angekommen. Während der Erklärung über unsere Panne und der Organisation eines Pick-Up verletzt sich eine junger Polizist am Fuss. Es stellt sich heraus dass der Fuss gebrochen ist. Mit unseren, für einen Sturz vom Motorrad mitgeführten Sam-Splint Schienen und dem Notarzt-Koffer von Oli ist der Fuss schnell fixiert und die Wunde versorgt. Zwei Novalgin gegen die Schmerzen auf den Transport geben wir schon jetzt, damit diese dann in einer halben Stunde wirken. Wir lassen Martin und Jens zurück am Polizeiposten und bringen den verletzten Ramsci im umgebauten Land Rover nach Idri ins Krankenhaus. Die Schmerzen lassen sich mit wiederholter Gabe von 0,5 g Novalgin – alle 1,5 Stunden – gut steuern. Nach insgesamt 4 x 0,5 g Novalgin erreichen wir das Krankenhaus.

Um uns herum hat sich mitten in der Nacht bereits ein großer Teil des Dorfes versammelt, da der Unfall von Ramsci bereits in aller Munde ist. Erst nach 15 Minuten schliesst der einzige Arzt das Krankenhaus auf und schickt uns wieder weg. Wir sollen morgen kommen um die Röntgenbilder zu machen. Wir (Patrick & Oliver) werden in das Haus von Ramsci eingeladen.

Nach einem reichen Abendessen (Spaghetti, Fleisch, Oliven, Thunfisch) können wir endlich schlafen (3 Uhr). Die Familie lässt uns schlafen bis wir von selbst wach werden. Alle Neffen und Cousins in unserem Schlaf bzw. Wohnzimmer nehmen sehr viel Rücksicht.

Insgesamt wohnen in dem Wohnraum ca. 14 Familienmitglieder von Kind bis Ur – Großvater!

Während des Vormittags versuche ich der Familie zu erklären, dass wir einen offenen Jeep oder Land Rover brauchen um das Motorrad von Martin aus Munin (Polizeiposten) zu holen. Nach langer Diskussion hilft uns Jamal, der Cousin von Ramsci. Er arbeitet bei der Verkehrspolizei. Ich werde von Abubaka in meinem Landrover gefahren. Ich würde den Weg nicht kennen und er fährt besser. Ob er nicht einfach mal einen gut erhaltenen Serie III fahren möchte werde ich wohl nie erfahren. Später stellt sich heraus, dass er nicht die Piste welche im Göttler angegeben ist fährt sondern nicht nach Gebirge und nur selten nach den Sternen orientiert. Ich habe das Gefühl dass es nicht eine grosse Rolle spielt, welche Piste man nimmt. Hauptsache man kommt an. Wir treffen Martin, Jens und die drei Mädels, welche wir auf der Fähre kennen gelernt haben 17 km vor der Polizeistation. Sie haben für diese Strecke ca. 1 Stunde gebraucht!!! Der Besuch auf der Polizeistation wird sehr kurz und nachdem wir uns die vergangenen Stunden am Lagerfeuer erzählt haben geht es auch schon wieder zurück in Ramscis Dorf. Die drei Mädels bleiben und Jamal muss dreimal davon überzeugt werden, dass die Mädels auf sich alleine aufpassen können, da dies in deren Kultur nicht begreifbar ist.

Tagebuch 11.04.2001 13 Uhr (Fortsetzung)

Als sich herausstellt, dass Ramscis Vater dabei ist, brauchen wir uns auch keine Sorgen mehr über die Kosten der Bergung machen. Die Mannschaft in Munin freut sich sehr, uns zu sehen und hofft dass wir zum Essen bleiben. Leider muss Jamal am nächsten Tag arbeiten und wir fahren noch in der Nacht zurück nach Mansouk, dem Wohnort wo sich Ramscis Haus befindet. Also reisen wir nach einer Viertelstunde wieder ab. Insgesamt haben wir mit Hin- und Rückfahrt 15 Stunden fahrt hinter uns! Oli ist so übermüdet, dass er oft erst aufwacht, als der Landi in ein Sandfeld einfährt und fast stehen bleibt. Abubaka bleibt an der Polizeistation. Mansouk liegt 4,7 km von Idri entfernt. Dieses mal kommen wir noch viel später am Haus an. Während der ganzen Fahrt versuche ich dem Vater von Ramsci (52 Jahre) zu erklären, dass es der ausdrückliche Wunsch der drei Mädels war alleine in der Piste zu übernachten; er kennt sich gut im deutschen Fußball aus und für ihn war Rummenigge und Beckenbauer der Captain. Scheint also schon etwas her zu sein. Wir schlafen bis 10 Uhr und versuchen dann einen Pick-Up für den Transport des Motorrads zu organisieren. Jamal will mit seinem Freund 500 LD und Martin rastet fast aus. Er ist auch nicht bereit zu handeln. Am Ende haben wir einen Preis von 750 LD und Martin bricht die Verhandlungen ab. Er will nur noch weg. Bei der Polizei bekommt er immerhin einen Preis für 250 LD (noch zu teuer). Der an der Tankstelle stehende Minibus fährt ihn dann nach dem Ausbau der Sitze für 200 LD nach Tripolis wo er eine weitere Mitfahrgelegenheit suchen wird. Mit der Hilfe von Musa dürfte das kein Problem sein. Vielleicht treffen wir ihn ja noch im Hotel. Patrick und Oli packen auch sofort zusammen und fahren weiter nach Germa, um am nächsten Tag zu den Mandaraseen zu fahren. In Germa treffen wir zwei Schweizerinnen, welche für zwei Wochen nach Libyen gereist sind und die ganze Zeit von zwei Führern begleitet werden.

GASTFREUNDSCHAFT: Die Gastfreundschaft, welche wir in Libyen erfahren habe ist bei weitem das beste was wir bisher erlebt haben. Wird man auf der Strasse angesprochen, weil offensichtlich ist, dass man ein Tourist ist, so beschränkt sich das Gespräch auf Smalltalk. Wir haben KEINE Aufdringlichkeit erlebt, wie wir sie aus Italien oder Tunesien kennen. Die Menschen in Libyen sind interessiert und wenn sie sich nicht von alleine nach einem kurzen Smalltalk verabschieden, so kann man dies auch ohne Probleme mit einem höflichen „Schokran“, „Salam“ selbst tun.
Technische Info: Das GPS hat vereinzelte Ausfälle und sollte für die nächste Fahrt ausgetauscht werden. Die Halterung taugt ebenfalls nicht für die Piste.

Anmerkungen:

Spanngurte: Die Spanngurte aus dem Bauhaus (DM 15) Farbe: schwarz mit roten oder weißen Streifen taugen NICHT für den Wüsteneinsatz. Es sind mindesten DM 25 für einen Spanngurt auszugeben. Ich bevorzugen die roten mit ca. 2500 Kilo Traglast.
Fliegengitter: Die Fliegengitter sollten für die nächste Tour mit selbstklebendem Klettband für die Fixierung an der Wagenseite versehen werden.
Sandbleche: Eine Fixierung der Sandbleche für die Außenseite des Dachträgers wurde ich mir wünschen.

Tagebuch 11.04.2001 14:00 Uhr Ort: Camping Afrikatours bei Germa

Jetzt sitzen wir hier am Campingplatz umgeben von einem französischen Filmteam aus Paris. Das Satellitentelefon steht ebenso selbstverständlich auf dem Tisch wie die Schachtel Marlboro und der Tee aus Beuteln. Die Musik aus dem CD-Player wechselt zwischen dem Soundtrack aus Braveheart, Queen und arabischer Folklore. Der Campingplatz scheint die ideale Basisstation für Filmaufnahmen zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Mandaraseen nicht auch belagert sind. Das Personal auf dem Campingplatz spricht sowohl französisch als auch englisch.

Auch wenn die Reiseroute auf ganz Libyen gesehen nicht so lang war wie ursprünglich geplant, sind wir trotzdem insgesamt mit Hin- und Rückfahrt 7000km gefahren. Bei dem Benzinpreis in Libyen (ca. 12 Pf / Liter) hätten es aber ruhig noch etwas mehr sein können. Geplant war eigentlich eine Route bis zum Wau en Namus, der 2003 nachgeholt wir…

Die hier aufgeführten GPS – Koordinaten sind im WGS84 – Kartendatum gespeichert und können zur Routenplanung übernommen werden. Alle Daten sind 100%ig von mir angefahren worden. Ihr werdet also nicht in der „Pampa“ landen. 🙂

Ein Gedanke zu “Libyen 2001

  1. Pingback: Libyen – als es noch friedlich war at Patrick Emmler

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