Flugausfallentschädigung bei Air Berlin – eine lange Reise mit ungewisser Zukunft

Anzeigetafel Flug storniert © JiSign

Nun hatte es auch mich erwischt. Flug ausgefallen. Gestrandet in Deutschlands Hauptstadt Berlin. Es hätte natürlich auch schlimmer kommen können.

Dabei wäre der Flugausfall ohnehin für Air Berlin abzusehen gewesen, da eine einstündige Verspätung von Berlin zum Karlsruhe Baden-Airpark am 24. August gegen 21:20 Uhr zwangsläufig zu einem Ausfall hätte führen müssen.

Denn soweit bekannt, besteht am Baden-Airpark ab 23 Uhr keine Fluggenehmigung mehr. Summa summarum hätte sich durch die Verspätung somit eine Ankunftszeit auf 23:30 Uhr ergeben.

Die Email mit dem Hinweis auf die Verspätung hätte man sich also fast sparen können. Ich vermute, dass diese mit dem Hinweis auf die Flugverspätung ohnehin computergesteuert ausgelöst worden war. Also trudelten alle Reisenden in der Erwartung, der Flug würde stattfinden, am Check-In am Flughafen Berlin-Schönefeld ein, um bereits kurz darauf von der Annulierung zu erfahren.

Nun denn. So galt es für mich, das Beste daraus zu machen. Glücklicherweise hatte ich über das Wochenende bei einem Freund verbracht und musste mich somit nicht auf die Suche nach einem Hotel machen.

Dennoch machte ich mich sogleich kundig und wurde schnell bei der Kanzlei Narewksi bei deren Rechner für die Flugausfallentschädigung fündig. 250,- Euro stehen mir zu. Immer noch. Denn nach zahlreichen Emails mit Air Berlin und der Nennung der Bankdaten tut sich – nichts!

Air Berlin steht bisweilen nicht gut da, so viel ist sicher schon jedem bekannt. Dennoch bestehe ich selbstverständlich auf meinem Recht als Passagier. Den größten Schaden habe ich durch die Annulierung insbesondere im Verlust eines ganzen Tages, den ich zu spät wieder in der Firma war.

Gut gemeinter Rat auf Abwegen

Der letzte Anruf an der Air Berlin Hotline brachte die vermeintliche Lösung. Mir wurde die Emailadresse des Ombudsmann für Air Berlin genannt, eine Kanzlei mitten in Berlin. Doch nach genauerer Recherche ist diese „nur“ für die Korruptionsprävention für oder innerhalb der Fluggesellschaft Air Berlin tätig. Da muss man sich tatsächlich fragen, wie die Air Berlin Hotline dazu kommt im Fall einer berechtigten Forderung auf eine Flugausfallentschädigung diesen Kontakt herauszugeben. Air Berlin scheint sich selbst nicht im Griff zu haben.

Nun denn, so kontaktierte ich die Kanzlei in der Hoffnung dass diese meine Fluggastrechte beschleunigen könnte, zumal diese bereits seit 3 Monaten unbearbeitet geblieben sind. Wie zu erwarten konnte die Kanzlei mein Anliegen zwar nicht formal bearbeiten, dennoch versprach man mir mein Anliegen nochmals an den direkten Ansprechpartner bei Air Berlin weiterzuleiten. Soweit so gut. Man wird sehen, ob dies nun den erhofften Abschluss bringt.

Grundsätzlich scheint bei der Berücksichtigung der Fluggastrechte einiges im Argen zu liegen. So tummeln sich rund um das Thema Flugausfall und Flugausfallentschädigung bereits zahlreiche Dienstleister im Netz, die damit offensichtlich richtig Geld verdienen.

So geht Kunden verlieren richtig

Es ist ein deutliches Zeichen, wenn bei der Google-Suche nach „Air Berlin Flugausfallentschädigung“ Unternehmen wie Euclaim, Flightright, Refund.me und Fairplane um die Gunst der Geschädigten Air Berlin Kunden buhlen, um dann mit beispielweise 22,5% Prozent an der Eintreibung der Flugausfallentschädigung zu verdienen. Die Versäumnisse von Air Berlin & Co. scheinen für andere ein einträgliches Geschäft zu sein.

Mich ärgert das. Und Sie?

Meines Erachtens wäre die schnelle und nervenschonende Abwicklung bei einem Flugausfall die sinnvollste Methode für jede Airline, um den Kunden möglicherweise weiterhin an sich zu binden. Stattdessen verspielen diese eine wichtige Vertrauens- und Zufriedenheitsgrundlage und verlieren den ehemaligen Kunden womöglich dauerhaft an Dienstleister, die die Arbeit übernehmen, die eigentlich Air Berlin & Co. machen müssten.

So stelle ich mir keine zeitnahe Flugausfallentschädigung vor. Ab Dezember werde ich dann wohl meine Advocard in Anspruch nehmen müssen, um das Thema zumindest für mich persönlich endlich abschließen zu können.

Update zur Flugausfallentschädigung

Bereits kurz nach der Veröffentlichung dieses Blogbeitrag und einer entsprechenden Mitteilung an Air Berlin wurde mir die Überweisung der Entschädigung zugesichert und auch recht zeitnah überwiesen.

Es macht also durchaus Sinn, sich mit dem Anliegen der eigenen Flugausfallentschädigung nicht nur an einen Anwalt, sondern auch an die Öffentlichkeit zu wenden, um den Druck für die berechtigte Entschädigung auf die jeweilige Fluggesellschaft zu erhöhen.

Weiterhin kann ich mich dem Eindruck natürlich nicht verwehren, dass der Zurückhaltung entsprechender Entschädigungen bei einem Flugausfall rein betriebswirtschaftliche Gründe zu Grunde liegen.

5 Gedanken zu “Flugausfallentschädigung bei Air Berlin – eine lange Reise mit ungewisser Zukunft

  1. Pingback: Betrug am Kunden? - Air Berlin - Patrick Emmler

  2. seit Oktober 2014 warte ich immer noich auf meine Entschädigung, die mir in Höhe von 250 € zugesagt wurde. Meine Anwältin hat bereits Air Berlin in Verzug
    gesetzt mit der Aufforderung bis Juli 2015 den Betrag zu überweisen. Bis heute meldet sich Air Berlin nicht. Was ist jetzt zu tun?

  3. Hallo Marion. Am besten du berichtest auch im Internet über deine schlechten Erfahrungen mit Air Berlin und informierst diese dann auch direkt auf die Links im Internet hin. Ich hatte durch Zufall von der Air Berlin Hotline selbst die Email-Adresse des Ombudsmann von Air Berlin erhalten: ombudsmann-airberlin@fs-pp.de. Die Kanzlei ist bei Air Berlin für die „Korruptionsbekämpfung“ zuständig. Die Kanzlei hatte sich aber dennoch meinem nachdrücklichen Treiben angenommen, auch wenn diese formal nicht zuständig sind. Aber die scheinen einen direkten Draht ganz nach oben zu Air Berlin zu haben.

  4. Unser subjektiver Eindruck: Es handelt sich nicht um Versäumnisse der Airlines, sondern in vielen Fällen eher um Absicht. Die Ansprüche der Kunden werden mit den fadenscheinigsten Gründen abgelehnt oder einfach ausgesessen. Das Kalkül dabei: Nur ein Bruchteil der Kunden geht zum (fachkundigen!) Anwalt oder zu einem der Spezialisten wie flightright, euclaim oder uns. Und selbst wir müssen bei manchen Gesellschaften jede einzelne Forderung einklagen. Die Anwalts- und Gerichtskosten sind da Bestandteil der Kalkulation: Lieber ein Mal die Gerichtskosten aufgebrummt bekommen, wenn dafür 20 andere Kunden entnervt aufgeben …

  5. Air Berlin ist Mitglied der Schlichtungsstelle „söp“, so dass man dort ein
    kostenfreies Schlichtungsverfahren wie bei einem Ombudsmann durchführen
    kann.

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