FFW Hamburg stellt sich stumm zur Doppelmitgliedschaft

Der demographische Wandel macht auf den Feuerwehren immer mehr zu schaffen. Das Durchschnittsalter steigt immer weiter an und immer weniger junge Leute engagieren sich ehrenamtlich in der Feuerwehr. Dies führt dazu, dass immer öfter die Einsatzstärke bei Feuerwehreinsätzen „gerade noch so“ erreicht wird.

Aber auch aus beruflicher Sicht ergeben sich neue Herausforderungen für die BOS-Organisationen, wenn der Wohnort und Arbeitsplatz voneinander zu weit entfernt sind. Tagsüber ist es dadurch oft nicht möglich sich an Einsätzen im Heimatort zu beteiligen. Deshalb sind manche Kameraden in zwei Feuerwehren, um an beiden Orten bei Einsätzen teilzunehmen und dadurch den beruflichen und gesellschaftlichen Wandel auszugleichen.

Doch leider gibt es in verschiedenen Bundesländern immer noch zahlreiche Hürden, wenn zum Beispiel die Doppelmitgliedschaft in der Feuerwehr länderübergreifend ist.

Insbesondere ist hierbei die Absicherung durch die Unfallkassen in vielen Fällen noch nicht geklärt und somit kann auch deshalb die Aufnahme in der zweiten Feuerwehr verweigert werden.

Dies beklagt unter anderem auch Kreisbrandmeister Torsten Hensel aus dem Landkreis Lüneberg – stellvertretend für viele Feuerwehren  – und fordert unter anderem das Niedersächsische Brandschutzgesetz dahingehend zu ändern. Auch viele Feuerwehrgesetze anderer Bundesländer enthalten noch einen Passus, der die Doppelmitgliedschaft in verschiedenen BOS-Organisationen deutlich einschränkt oder unmöglich macht.

Auch das Feuerwehrgesetz Hamburg aus dem Jahre 1986 enthält
unter §10 Aufnahmevoraussetzungen Abs. 3e den Wortlaut:

„In eine Freiwillige Feuerwehr darf nur aufgenommen werden, wer

… für den Feuerwehrdienst ausreichend verfügbar ist, insbesondere nicht dem Polizeivollzugsdienst, einer Berufs- oder Werkfeuerwehr oder einer anderen Organisation oder Einrichtung angehört, die neben den Freiwilligen Feuerwehren eingesetzt werden könnte.“

Diese und ähnliche Formulierungen sind dabei besonders „schwammig“ und lassen sich frei interpretieren, da die „ausreichende Verfügbarkeit“ nicht konkret definiert ist und darunter jede Feuerwehr etwas anderes verstehen kann.

In der baden-württembergischen Fassung findet sich solch eine Einschränkung nicht.

In weiten Teilen Deutschlands und vor allem länderübergreifend besteht dieses Problem weiterhin und wird auch zunehmend in einschlägigen Foren von Feuerwehrkameraden/innen diskutiert. So auch in Hamburg.

Dort wollte ich auf Grund meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr tätig sein, um während meiner dortigen Anwesenheit aktiv zu bleiben, mich zu engagieren und die Kameradschaft zu pflegen. Leider wurde mir dies bereits Anfang letzten Jahres ohne genauere Nachfrage zu meiner beruflichen Situation oder dem Ausbildungsstand verwehrt.

Die Situation der restriktiven Haltung der Feuerwehr Hamburg gegenüber der Doppeltmitgliedschaft wurde dort jedoch im laufenden Jahr bereits thematisiert und den dortigen Ausschüssen der freiwilligen Feuerwehren zur Änderung vorgelegt. Ich musste mich also gedulden.

Kurz nach meiner Entscheidung wieder nach Süddeutschland zurück zu kehren und nach zahlreichen Nachfragen über die vergangenen Monate hinweg, teilte mir Herr Detlef Podalski, Landesbereichsmanager der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg mit, dass eine „… positive Grundsatzentscheidung …“ gefallen sei und man weitere Informationen auf www.feuerwehr-hamburg.de veröffentlichen werde.

Diese Ankündigung wurde jedoch nach kurzer Zeit und ohne Begründung wieder zurückgezogen, sodass das Thema weiterhin im Ungewissen blieb. Statt dessen hies es, dass „…ein Interesse an einem Informationsaustausch zu diesem Thema nicht besteht…„.

So scheint man wohl bei der Feuerwehr Hamburg das Thema der Doppelmitgliedschaft und die damit verbundenen Herausforderungen eher als unliebsames Kind anzunehmen, statt über die positive Entwicklung und Öffnung der Wehren für engagierte Feuerwehrleute zu forcieren.

Leider verliefen hier meine Recherchen in Hamburg im Sand…

Daraufhin bat ich beim Deutschen Feuerwehrverband in Berlin dieses Thema auch weiterhin zu beobachten. Zwar hat der Verband keine Entscheidungsgewalt zu den föderalen Regelungen der einzelnen Bundesländer in Bezug auf die Gesetzgebung der Feuerwehren, dennoch bliebe das Thema dann weiterhin aktuell.

So setzte sich Herr Sönke Jacobs, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Feuerwehrverband mit mir in Verbindung, um sich über das Thema auszutauschen und sich meine persönliche Situation schildern zu lassen. Das überaus positive und interessante Gespräch lässt nun hoffen, dass auch seitens des DFV die Doppelmitgliedschaft bei der Feuerwehr Hamburg und auch in anderen Bundesländern weiter thematisiert wird.

Auch mit Thomas Melchert von der Hamburger Behörde für Inneres und Sport welche auch für den Katastrophenschutz zuständig ist, konnte bei einer Veranstaltung der BOS-Organisationen in Hamburg über das Thema sprechen. Auch hier wurden meine Anregungen und Ausführungen positiv aufgenommen und sollen auch dort gemeinsam mit der Feuerwehr Hamburg angesprochen werden.

Ich für meinen Teil würde es begrüßen, wenn die Doppelmitgliedschaft unter konkreten und definierten  Voraussetzungen zukünftig in allen Bundesländern möglich sein könnte. Was letztendlich aus den Planungen der Doppelmitgliedschaft in den Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg geworden ist steht somit anscheinend bisher noch nicht fest.

Leider gibt es dabei übrigens oft nicht nur auf der unteren Ebene von Truppmann und Truppführer Diskrepanzen bei der Anerkennung der absolvierten Ausbildungen zwischen den Bundesländern, sondern auch in höheren Positionen bis hin zum Kreisbrandmeister.

Dies führt dazu, dass eigentlich fähige und ausgebildete Feuerwehrleute in manchen Fällen wieder ganz von vorn anfangen müssen. Doch dies ist ein anderes, sehr komplexes Thema…

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