Flüchtlinge – Menschen wie du und ich

Mein Leserbrief zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bühlertal:

man hands tied with stringFlüchtlinge – Menschen wie du und ich

Auf Grund der weltpolitischen Lage bekommen auch wir nun immer mehr die direkten Auswirkungen zu spüren. Flüchtlinge in Bühlertal und davon noch so viele. Mittendrin. Nicht auszudenken was da alles passieren kann! – Doch so richtig kann ich die Ängste bisher nicht verstehen, da sie so in der Presse auch noch nicht wirklich zum Ausdruck gekommen sind – außer das es nicht um Fremdenfeindlichkeit geht. Ist das Aktionsbündnis rund um Heinz Ludwig nun für oder gegen eine Kultur des Miteinander und der Unterstützung? Sicher, die Ängste müssen ernst genommen werden und haben im Kern nichts mit Fremdenfeindlichkeit oder gar Rassismus zu tun. Es muss informiert werden.

Doch welches sind die konkreten Argumente außer „berechtigten Ängsten“? Eine objektive journalistische Ausarbeitung dieser wichtigen Informationen hat auch hier einmal wieder nicht stattgefunden. Jeder Leser muss sich seinen Teil selbst zusammenreimen. Doch gerade hier ist es enorm wichtig konkret Stellung beziehen zu können, damit gemeinsam diese mögliche Herausforderung und Chance erfolgreich sein kann. Der anberaumte Termin am 17. April im Engel wurde um einen Tag vorverschoben, ohne dass dieser in allen bemühten journalistischen Kanälen bekannt gemacht wurde.

Unabhängig der eventuell zu geringen Informationskampagne der Gemeinde Bühlertal kann ich verstehen, dass ein Bürgermeister sich von einem eilig einberufenen Aktionsbündnis ohne über bisher konkret erkennbare sachliche Argumentation in der Öffentlichkeit zu informieren sich nicht die Pistole auf die Brust setzen und herzitieren lässt. Eine derart wichtige Entscheidung, Flüchtlinge in unserer Mitte aufzunehmen, braucht einen entsprechenden Rahmen und hierfür ist das Haus des Gastes in Bühlertal genau der richtige Ort.

40 bis 50 Flüchtlinge in Bühlertal. Das ist schon ein Wort, aber auch nicht unmöglich. Es sind Menschen wie du und ich. Dabei ist es gerade einmal nicht so lange her, dass auch wir als Deutsche in der gleichen Situation gewesen hätten sein können. Das Flüchtlingsheim darf nicht nur eine Verwahrungsstätte sein. Die Menschen brauchen Strukturen, Haltepunkte und soziale Bindungen, die gerade die Ankömmlinge erst einmal nicht haben werden. Wir brauchen uns dabei nichts vormachen. Es wird hier sicher nicht nur um Monate gehen.

Doch gerade dies eröffnet doch neue Möglichkeiten uns mit unserem Weltbild auseinanderzusetzen und neue Dinge kennenzulernen. Integration fängt auch bei den Menschen vor Ort an wo sie beginnen muss. Und sicher wird es nicht immer einfach sein. Doch gerade die Information, dass mitten in Bühlertal – statt auf der Bühlerhöhe – diese Möglichkeit geschaffen werden könnte zeigt doch, dass man dies der Gemeinde und ihren Menschen zutraut.

Die „Komfortzone Dorfgemeinschaft“ würde auf die Probe gestellt werden und zeigen müssen wie gut sie auch für andere da sein kann. Ich bin sicher, dass sie da nicht allein gelassen wird. Es ist unbequem nicht gefragt zu werden, es ist aber auch bequem seine Komfortzone nicht zu verlassen. Dabei werden auch nachfolgende Generation immer mehr mit der Globalisierung und deren Problemen konfrontiert werden. Dieser Herausforderung müssen wir uns irgendwann stellen!

Das verteilte Unterbringen „an einer Hand abgezählt“ von bis dahin wohl mittlerweile oder bereits vorhandenen Gemeinschaften käme einem Auseinanderreissen der bereits bestehenden Bindungen der Menschen gleich und wird wenig zielführend sein und deren soziale Integration eher verschlimmern als verbessern. Wer masst sich dies an, ohne eine offizielle Informations- und Diskussionsveranstaltung abzuwarten?!

Bühlertal ist sicher nicht willkürlich gewählt. Bühlertal hat eine solidarische und sozial gefestigte Struktur. Die Möglichkeit einer Integration direkt in der Mitte der Gemeinschaft könnte Modellcharakter haben, statt Menschen an den Rand zu drängen oder zu zerstreuen. In unserer Region sind Kompetenzen und Menschen vorhanden die dies leisten können und wollen.

Auch wenn ich schon länger nicht mehr Bühlertäler bin fällt diese Entwicklung doch in meinen direkten Einzugsbereich. Auch ich würde mich gerne aktiv einbringen. Der Standort mitten in der Gemeinschaft ist ideal, um eine Integration zu ermöglichen. Es wäre eine Herausforderung aber auch eine Chance. Nicht nur für die neuen Menschen in unserer Mitte.

Und a propos „Ängste“. Welche Ängste werden wohl derzeit die Flüchtlinge haben, in ihrer Ungewissheit wo sie nach Krieg, Leid und Verfolgung unterkommen werden?! Diese Menschen hätten den größten Respekt verdient, die zwangsläufig aus ihrer eigenen Komfortzone vertrieben wurden, ihre Ängste überwinden mussten und in einer auch für sie unbequemen neuen Umgebung Fuss fassen müssen.